In den gläsernen Käfigen
Oľga Paštéková (SK), Elisabeth Wedenig (AT)

Österreichisches Kulturforum Bratislava
15.03.-03.04.2017


In den Œuvres der Malerinnen Oľga Paštéková und Elisabeth Wedenig taucht ständig das tierische Motiv auf, vor allem das Motiv des Vogels und des Wolfs. In der europäischen Kunstgeschichte tragen diese Tiere eine eigenartige Symbolik, sie personifizieren bestimmte Charakterzüge und sind gleichzeitig zu Objekten des wissenschaftlichen Interesses um die exakte Darstellung ihres Aussehens geworden. Die Sehnsucht zu verstehen, zu klassifizieren, zu quantifizieren und die Ergebnisse des eigenen Schaffens auszustellen, hat ausschließlich die menschliche Art – in den Petrischalen, in den Käfigen oder hinter findigeren Konstruktionen. Hinter der gläsernen Fassade des architektonischen Käfigs des Österreichischen Kulturforums präsentieren Oľga und Elisabeth einen ganz anderen Zugang dazu.
Oľga stellt ihre ältere Serie Full Moon (Vollmond) vor, die um das Einzelbild genannt New Moon (Neumond) und das Diptychon Migranten ergänzt wurde. Die Wildtiere, wie der Wolf oder die Vögel, werden im Allgemeinen als ein Symbol der Freiheit wahrgenommen. In Oľgas Werken, ähnlich wie in Hitchcocks Horror Birds, sind sie aber wegen ihrer fieberhaften Aktivität und dunklen Farbenpalette, zum Symbol der Befreiung von etwas Unterdrücktem geworden. Die expressive Kratzzeichnung auf den auffälligen Formaten unterstreicht diese Auswirkung von hemmungsloser Triebkraft, den sogenannten drive. Die in der Oberfläche der Holzplatte eingeritzten Rudel und Schwärme, sind nicht nur durch die Darstellung anwesend, sondern gleichzeitig als ein Index – in der Ritzung der Malerin, die Spuren der Fangzähne und Klauen assoziieren. In Bezug auf Oľgas Aktivismus für Tierrechte, kann man das Verhalten von diesen Wesen als eine Reaktion auf die menschliche Aggressivität wahrnehmen. Diese Aggressivität zeigt sich auf Grund der ostentativen Ignoranz der Bedürfnisse und der Unfähigkeit, den gemeinsamen Lebensraum zu teilen sowie infolge der falschen Hierarchie. Die eigentlichen Nachtherrscher sind die Tiere.
Die Gemälde von Elisabeth sind voll von Überschreitungen und sehr poetisch in ihrer scheinbaren Unvollständigkeit. Aus dem Alltag und aus den Träumen auf die Leinwand, von der Leinwand auf den Untergrund und von dort aus erreichen die Fetzen der Farben und Formen, der Dinge und Wesen den Betrachter. Deren Koexistenz zwingt ihn zur Dechiffrierung der Szene, der Narration des Bildes. Ähnlich wie wir nicht alle Details unserer Erinnerungen zurückrufen können, oder wie wir uns anderseits eben an manche Details erinnern, so ist es auch der Fall bei den Fragmenten in den Bildern von Elisabeth. Sie entwickelt in Schichten von harmonischen Farbakkorden die zum Teil nichtexistierenden, aber trotzdem familiären Wesen. Oftmals verwendet sie verschiedene Farbtöne von Lila, die im Wesentlichen eine Farbe von größter Ambivalenz ist. Sie verbindet spielerisch unterschiedliche Qualitäten von Zeichnung und Malerei und ermöglicht einen Einblick in die Welt, die gleicherweise fern und nah wirkt.
Oľga und Elisabeth nehmen die tierischen Wesen in Bezug auf den Menschen
als gleichwertige Bestandteile des Bildes wahr. Sie gelten als Inspiration für die Ablehnung der anthropozentrischen Hierarchie. Sie beobachten die ständigen Änderungen des Naturgleichgewichtes, im Chaos der heutigen fragmentierten Existenz, in der wir alle im Käfig enden können.


Miroslava Urbanová