Olga Pastekova – Phantoms and Other Friends
Ausstellung im Kunstforum Ebendorf Raumacht
11. Mai – 29. Juni 2012


Die Welt der Schatten, eine Welt des Flüchtigen und Vergänglichen. Auf der Grenze zwischen
Abstraktion und Realismus zeigt sie keine realen Objekte, sondern ein verzerrtes Abbild der
Wirklichkeit. Wie in Platons Höhlengleichnis spielen die auf der Leinwand vorüberziehenden
Schattenrisse mit den Vorstellungen des Betrachters. Als Vorboten einer fremden Realität machen sie ihren lediglich angedeuteten Träger erst vorstellbar. Eine Bedeutungsverschiebung die in einem Paradoxon mündet. Das Immaterielle materialisiert sich und erscheint plötzlich real und greifbar. Der Schatten wird zur Existenzbedingung für seinen Träger.

Die Künstlerin Olga Pastekova überrascht mit ihrem Sujet, sowie ihrem Zugang zum Material. Durch das Experimentieren mit Acryl und Tusche gelangte sie zu einer besonderen Mischtechnik, die imlasierten Auftrag in mehreren Schichten mit zahllosen Dunkelschattierungen fasziniert. Eine Darstellungstechnik, die eine Schattenwelt zum Leben erweckt und den Betrachter gleichsam
gefangen nimmt.

Das Sujet des Schattens in Olga Pastekovas Werken öffnet den Raum für zahlreiche
Interpretationen. Verstanden als Grenze in einer Dualität zwischen Licht und Dunkelheit wird der Schatten zur moralischen Schwelle zwischen Gut und Böse, gleichsam einer Grauzone. Als
Vorzeichen einer nahenden Gefahr ist er Ausdruck der Angst vor dem Unbekannten. Im Bildnis
eines schwarzen Hundes im Halbdunkel verdichtet sich diese Ahnung schließlich als konkrete
Erfahrung einer Angst vor der Angst. Nicht als Bote des Kommenden sondern als letzte Spur des
Dagewesenen erschließt sich der Schatten als verblasste Erinnerung. Flüchtig und vergänglich wie ein Gedanke, mal mehr und mal weniger gegenwärtig, ist er Reminiszenz an den schmerzhaften Verlust eines geliebten Menschen. Metaphorisch aufgeladen deutet der Schatten als Abbild einer spirituellen Kraft auf eine jenseitige Wirklichkeit hin. Wie ein göttliches Wesen ist er seinem Träger ein ständiger Begleiter. Dem Licht nahe, wird seine Präsenz stark und seine Gegenwart nahezu greifbar. Dem jedoch, der sich in der Dunkelheit verbirgt, wird er unsichtbar und scheint sich ganz von ihm abzuwenden.

In dem Reichtum möglicher Betrachtungsweisen liegt die Stärke der Werke von Olga Pastekova. Die Ausstellung „Phantoms and Other Friends“ lädt ein zu einem ständigen Neu- und
Wiederentdecken einer flüchtigen und ebenso fremden Welt.

Robert Stelzer